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Treffen sich sechs Flöten ...

Der Alte Fritz hatte ein besonderes Hobby. Wenn man sich vorstellt, was ein großer Preußenkönig wohl so für Sammelleidenschaften gehabt haben könnte, würde einem nach den gängigen Klischees eher so etwas wie Hieb- und Stichwaffen oder Paradeuniformen einfallen. Und was war es wirklich? Flöten. Mindestens 20 Traversflöten, vornehmlich aus der Qualitätswerkstatt seines Lehrers Johann Joachim Quantz nannte der kunstbegeisterte Hohenzoller sein eigen. Hegte und pflegte diese und konnte sie natürlich meisterlich spielen. Auch eigene Kompositionen für den Gebrauch seiner umfangreichen Flötensammlung hat der preußische Herrscher in seiner Freizeit angefertigt.

Und die Nachwelt? Trieb wieder nur Schindluder mit dem großen Erbe und vertauschte die Kopf-, Mittel- und Fußstücke von Friedrichs Flöten, so zumindest die gängige Meinung. Niemand wusste also genau, ob da wirklich zusammengehörte, was z.B. im Leipziger Grassi-Museum, in Sanssouci bzw. dem Neuen Palais in Potsdam oder im Kunstgewerbemuseum bzw. dem Musikinstrumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung mittlerweile ehrerbietig aufbewahrt wird. Bis beim Flötentreffen am 11. Januar 2016 ebendort im Berliner MIM die Wissenschaftler aus besagten Standorten zu neuen Erkenntnissen kamen: Man war davon ausgegangen, dass die Vertauschung der Flötenteile während der Wirren des 2. Weltkriegs passiert war. Nun aber verdichtete sich der Verdacht, dass der Alte Fritz höchstpersönlich seine Flöten nach eigenem Gusto zusammengesteckt hatte. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern um Klang oder Intonation zu optimieren. Da es im 18. Jahrhundert keinen einheitlichen Stimmton gab, wurde jede Flöte üblicherweise mit einer Vielzahl von Mittelstücken und oft sogar einem zweiten Kopfstück ausgestattet – und Friedrich der Große war eben ein anspruchsvoller Flötenliebhaber, der seine Flötenteile solange auseinandernahm und zusammensteckte, bis ihn der Klang zufrieden stellte.

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